Bläserchor der Brüdergemeine Neuwied

Die Bläserchöre der Brüdergemeinen sind die ältesten kirchlichen ehrenamtlichen Bläserchöre dieser Art und begannen ihren Dienst 1731 in Herrnhut. Vorher gab es auch im kirchlichen Raum Musik- und Instrumentalgruppen. doch sie standen in bischöflichen oder herrschaftlichen, bezahlten Diensten.

Da es nur Posaunen und ventillose Hörner gab wurden diese neuen Chöre - die in den Brüdergemeinen meistens aus dem jeweiligen Collegium Musicum hervorgingen - Posaunenchöre genannt, wie es heute noch in der Landeskirche üblich ist.

Mit der Erfindung der Ventil-Blechblasinstrumente, etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts, wurden sie in den Brüdergemeinen in "Bläserchöre" umbenannt. Denn diese dienende Gruppe oder der Chor einer Gemeinde sind die Bläser und nicht die Instrumente (Posaunen) !

Der Bläserchor der Brüdergemeine Neuwied ist in den kirchlichen Tagebüchern (Diarien) am 30. Mai 1773 erstmals genannt. So wird dieses Datum als das Gründungsdatum angesehen. In den letzten 234 Jahren hat der Chor ohne Unterbrechung existiert und seine Dienste innerhalb und außerhalb des Kirchensaales erfüllt.

Geblasen wird:

- bei Gottesdiensten
- bei Begräbnissen
- bei "runden" Geburtstagen
- zu Fronleichnam in der Katholischen Gemeinde

- beim Martinfest der Kindergärten
- im Altenheim zum Advent

- beim Korrendeblasen im Advent

Zur Zeit gehören etwa 20 Bläserinnen und Bläser zum Chor, der im Jahr etwa 100 Einsätze einschließlich der Übungsabende zu verzeichnen hat. Eine Zugehörigkeit im Chor hängt nicht von der Mitgliedschaft zur Brüdergemeine ab.

Bläsertage

Seit 73 Jahren gibt es den Begriff "Brüderischer Bläsertag". Die damals in Deutschland bestehenden 14 Brüdergemein-Bläserchöre, einschließlich des in Christiansfeld (Dänemark), strebten um 1920 einen organisatorischen Zusammenschluss an, gepaart mit gelegentlichen Bläsertreffen, da die Entfernungen zwischen den einzelnen Ortsgemeinden teilweise sehr groß waren.

So wurde der erste Bläsertag dieses Brüderischen Bläserbundes, wie der Zusammenschluss sich nun nannte, im Sommer 1924 in Gnadenberg bei Bunzlau abgehalten. Sehr bald pendelte sich ein zweijähriger Turnus ein und 1927 waren in Neuwied etwa 170 Bläser versammelt.

Der Ablauf eines Bläsertages, der sich über ein verlängertes Festwochenende erstreckt, war damals ähnlich wie heute. Neben den notwendigen Proben des Gesamtchores, das Mitgestalten der Gemeindeversammlungen (Gottesdienste) sind öffentliche Konzerte meist im Zentrum des gastgebenden Ortes und ein Bläserausflug.

1957 wurden, zur 500-Jahrfeier der Brüder-Unität, nach Königsfeld auch die Bläser der Brüdergemeinen eingeladen. Krieg und Nachkriegszeit hatten eine Pause in den früheren Bläsertagsrhythmus gerissen. Die Gemeinen und Chöre jenseits der Oder-Neiße-Linie existierten nicht mehr. Der Obmann des Brüderischen Bläserbundes Alfred Hickel hatte das Amt aus Altersgründen in jüngere Hände übergeben, in die von Pfarrer Friedrich Wilhelm Clemens. Dieser regte an, die Vorkriegs-Bläsertage wieder aufleben zu lassen und als Tradition weiterzuführen. Die anwesenden Chorleiter begrüßten diesen Vorschlag. Doch bis zum früheren Zweijahresturnus dauerte es noch ein paar Jahre. Auch zeigte sich sehr bald, dass die Bläser aus den Brüdergemeinen der sich immer stärker abriegelnden DDR nicht mehr teilnehmen konnten. So wurden die neuen Bläsertage bewusst "Bläsertreffen West" genannt und als fester Termin auf Pfingsten alle zwei Jahre geplant.

Nach der unverhofften politischen Wende 1989/90 fand der erste gemeinsame Bläsertag aller europäischen Brüdergemeinbläser, nach 53 Jahren, zu Pfingsten 1991 in Niesky statt.

Die Teilnehmerzahl schwankt jetzt zwischen 260 - 300 Bläsern und deren Angehörigen. Sie kommen aus etwa 16 Chören.

 

Bisherige Bläsertage

1924 Gnadenberg bei Bunzlau, Niederschlesien


1925 Neudietendorf / Thüringen


1927 Neuwied am Rhein


1929 Ebersdorf / Thüringer Wald


1931 Kleinwelka bei Bautzen, Sachsen


1933 Gnadenfrei / Schlesien


1936 Gnadau bei Magdeburg


1938 Herrnhut / Oberlausitz, Sachsen


1957 Königsfeld / Schwarzwald (anlässlich 500 Jahre Brüder-Unität)

1961 Neugnadenfeld / Grafschaft Bentheim

1965 Berlin-Neukölln (Westberlin), am 2. Feiertag in Ostberlin

1967 Neuwied

1969 Zeist / Niederlande


1971 Bad Boll bei Göppingen / Württemberg

1973 Christiansfeld / Dänemark


1975 Königsfeld


1977 Neugnadenfeld


1979 Berlin-Neukölln


1981 Neuwied


1983 Lintorf bei Ratingen / Nordrhein-Westfalen


1985 Zeist


1987 Königsfeld


1989 Bad Boll


1991 Niesky / Oberlausitz, Sachsen (1. gemeinsamer Bläsertag nach dem Mauerfall)


1993 Neudietendorf


1995 Christiansfeld


1997 Neugnadenfeld


1999 Neuwied


2001 Berlin-Neukölln


2003 Herrnhut


2005 Zeist


2007 Königsfeld


2009 Gnadau


2011 Niesky

2013 Bad Boll

2015 Herrnhut

2017 Neugnadenfeld

 

Kirchenchor der Brüdergemeine Neuwied

Im Jahr 1750 wurde die Gemeinde in Neuwied von einer kleinen Gruppe französischer Protestanten - vom Herrnhaag / Hessen kommend - gegründet.
1766 wurde zum ersten Mal der Kirchenchor erwähnt. Viele Sängerinnen und Sänger haben in diesen 241 Jahren ihre Stimme zum Lob Gottes und nicht zuletzt zur Freude der Gemeinde erhoben.

Ein besonderes Ereignis für den Chor war das Jubiläum der Gemeinde Neuwied im Jahr 2000.
Im Festgottesdienst wurden Werke von Komponisten aus der Brüdergemeine gesungen, die ehedem Chorleiter in Neuwied waren, und eigens für diesen Tag geschaffene Werke von Hilde Richter-Gill und Günter Gruschwitz aufführten.

Der Chor begleitet die Gemeinde durch das Kirchenjahr, singt altgewohnte, vertraute Chorstücke und überrascht manchmal die Gottesdienstbesucher mit neuen, modernen Kompositionen.

Unter der Leitung von Joachim Kestler treffen sich dienstags ca. 20 Sängerinnen und Sänger. Erfreulich ist die gute Besetzung bei den Männerstimmen, immerhin vier Tenöre und vier Bässe. Sieben Sopran- und vier Altstimmen komplettieren das Klangbild.
Sorgen bereitet der fehlende sängerische Nachwuchs.

Bisherige Chortreffen

1980 Königsfeld
1982 Neugnadenfeld
1984 Berlin
1986 Bad Boll
1988 Lippstadt
1990 Neuwied
1992 Zeist
1994 Berlin
1996 Neugnadenfeld
1998 Königsfeld
2000 Amsterdam
2002 Neudietendorf
2004 Neuwied
2006 Herrnhut
2008 Ebersdorf
2010 Berlin
2012 Zeist/Utrecht NL
2014 Workshop in Berlin und Herrnhut
2016 Königsfeld
2018 fällt aus
2020 Amsterdam

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Stand : Februar 2018